Funktionsweise von Fotofallen
Fast alle Fotofallen funktioneren nach dem gleichen Prinzip ...
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Ein paar Kostproben
Viele verschiedene Tierarten des Bayerischen Waldes ließen sich ablichten ...
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Vergleichen Sie selbst ...
und beurteilen Sie, ob es sich um dasselbe Individuum handelt.
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Fotografierte Wildtiere 2007/2008
Während der 2007/2008 durchgeführten Fotofallendurchgänge wurden insgesamt 1126 Bilder ...
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Fotografierte Wildtiere 2008/2009
Insgesamt 2644 Bilder machten die 90 aufgestellten Fotofallen an 45 Standorten im Bayerischen Wald.
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Fotografierte Wildtiere 2009/2010
Insgesamt 3448 Bilder machten die 81 aufgestellten Fotofallen an 55 Standorten im Bayerischen Wald.
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Fotografierte Wildtiere 2010
Insgesamt 2139 Bilder entstanden an 64 Standorten im Bayerischen Wald.
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Fotografierte Wildtiere 2012
Insgesamt 2380 Bilder entstanden an 43 Standorten im Bayerischen Wald.
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Mit dem Einsatz von Fotofallen wird seit 2007 ein neuer Weg im Luchsmonitoring in Bayern beschritten. Fotofallen ermöglichen eine Erfassung des Luchsbestands in aktiver und systematischer Weise. Die damit gewonnenen Daten sind verlässlicher als zufällig gesammelte Daten. Daher können sie ein genaueres Bild vom Zustand der Population liefern und tragen so zu einer deutlichen Verbesserung des Luchsmonitorings bei.

Identifikation der Luchse

Jeder Luchs hat ein charakteristisches Fleckenmuster. Anordnung, Größe, Aussehen und Anzahl der Flecken sind bei jedem Luchs individuell verschieden. Dies ermöglicht die Unterscheidung einzelner Tiere und ebnet den Weg für eine quantitative Populationsschätzung mittels der Fang-Wiederfang-Methode.

Zwei Luchsindividuen können aber nur durch den Vergleich derselben Körperseite unterschieden werden. Daher wird versucht, das Tier mit seiner gesamten Körperflanke zu fotografieren und im besten Fall auch von beiden Seiten, was die Installation zweier gegenüberliegender Fotofallen voraussetzt. Beidseitige Fotos erhöhen die Wahrscheinlichkeit, einen Luchs bei einem späteren Fotofallenfang identifizieren zu können.

Hier ein Beispiel für den Vergleich des Fleckenmusters: Form und Anordnung der Flecken sind bei beiden abgebildeten Luchsen gleich. Die rot umkreisten Stellen sind besonders gut vergleichbar. Es handelt sich hier also um dasselbe Tier.

Fotofallen-Standorte

Der Auswahl geeigneter Fotofallen-Standorte kommt eine große Bedeutung im Fotofallenmonitoring zu. Sie setzt profunde Kenntnis der Lebensweise des Luchses und viel Erfahrung im Freiland voraus, vor allem durch Methoden wie Abspuren oder Radiotelemetrie.
Spurenfunde in den vergangenen Wintern und lokale Kenntnisse von Jägern sind zusätzliche Hilfen, um einen Ort zu finden, an dem vielleicht ein Luchs vorbeispazieren könnte.

Dennoch bleibt es eine Herausforderung in einer mittelgebirgsartigen Region geeignete "luchswahrscheinliche" Standorte festzulegen, da im Gegensatz zu den Alpen die Geländestruktur des Bayerischen Waldes den Luchs nicht auf bestimmte Wege (Zwangswechsel) kanalisiert.

Systematischer Fotofalleneinsatz

Systematisches Fotofallenmonitoring bedeutet einen räumlich und zeitlich koordinierten Einsatz einer bestimmten Anzahl von Fotofallen in einem ausreichend großen Gebiet. Für Beutegreifer, die generell in niedrigen Dichten vorkommen, sollte das Untersuchungsgebiet mindestens 500-750 Quadratkilometer groß sein. Bei hinreichend evaluierten Fotofallenstandorten genügen in der Regel 70 Tage, an denen die Fotofallen simultan an allen Standorten gestellt sind, um die anwesenden Luchse zu erfassen. Die Fotofallen werden möglichst gleichmäßig über das Untersuchungsgebiet verteilt, das alle Habitatstrukturen in repräsentativer Weise enthalten sollte.

Bisher wurden fünf solche intensive Fotofalleneinsätze im Auftrag des Bayerischen Landesamts für Umwelt durchgefüht. Der erste Fotofalleneinsatz erfolgte im Dezember 2007. Die Fotofallen standen an insgesamt 40 Standorten im inneren und vorderen Bayerischen Wald auf einer Fläche von rund 430 Quadratkilometern.
Ziel war die Durchführbarkeit und Erfolgsrate dieser Methode in der mittelgebirgsartigen Landschaft des Bayerischen Waldes zu ermitteln. Ein besonderes Augenmerk lag dabei auf der Entwicklung einer einfachen methodischen Übertragbarkeit des Fotofallenmonitorings auf andere Gebiete in Bayern, ohne dass spezifische Ortskenntnisse für die Auswahl der Fotofallenstandorte notwendig wären.

Im Januar 2009 begann der zweite systematische Einsatz. Nun wurden 90 Fotofallen an 45 Standorten auf einer Fläche von rund 820 Quadratkilometern aufgestellt. Das Untersuchungsgebiet umfasste jetzt auch die Höhenzüge des mittleren Bayerischen Waldes zwischen Viechtach und Regen. Im Oktober 2009 startete der dritte systematische Einsatz. Dabei wurden bis März 2010 55 Standorte auf einer Fläche von rund 800 Quadratkilometern getestet. Das Untersuchungsgebiet umfasste die ähnliche Fläche wie im zweiten Durchgang. Der vierte und fünfte systematische Einsatz lief von September bis Dezember 2010 bzw. September bis Dezember 2012. Nun wurden auf dem wieder rund 800 Quadratkilometer großen Untersuchungsgebiet zwischen Lamer Winkel und Deggendorf 64 bzw. 43 Standorte mit Fotofallen bestückt.

Zwischen 2013 und 2015 fand der bisher großräumigste Fotofalleneinsatz im Rahmen des grenzüberschreitenden deutsch-tschechischen Trans-Lynx-Projekts statt. Das Untersuchungsgebiet wurde auf rund 3.000 Quadratkilometer ausgedehnt und umfasste große Teile des Bayerischen Waldes, des Oberpfälzer Waldes sowie des Fichtelgebirges. Insgesamt waren zwischen 75 und 90 Fotofallenstandorte installiert, also weitaus extensiver als die zuvor durchgeführten Intensiveinsätze. Während Intensiveinsätze der Dichteschätzung und der Ermittlung von Bestandstrends dienten, sollte der zweijährigen Extensiveinsatz das dauerhaufte Vorkommen des Luchses in Bayern besser abgrenzen helfen. Ein zeitlich ausgedehnter und großräumiger Einsatz kann zudem weitere Populationsparameter erheben: räumliche Nutzung, Territoriumsgrößen, Reproduktion oder Abwanderungsdistanzen von Jungluchsen. Ebenso möglich ist die Feststellung der räumlichen Veränderung (Ausbreitung, Schrumpfung) einer Population. Am allerwichtigsten ist jedoch die Feststellung der Veränderung innerhalb der Populationsstruktur und betrifft vor allem den nachweisbaren 'Turn-over' residenter Luchse im bayerischen Vorkommensgebiet.

Aus diesen Gründen wird das Fotofallenmonitoring auch 2016 extensiv weitergeführt. Dies soll ermöglichen, den Werdegang territorialer Luchse weiterhin zu verfolgen, reproduzierende Luchsweibchen festzustellen und ihren Nachwuchs zu dokumentieren.

Opportunistischer Fotofalleneinsatz

Ergänzende Daten lassen sich durch das Stellen der Fotofallen an vom Luchs gerissenen Beutetieren sowie an vermuteten Luchswechseln sammeln. Ein Einsatz an potentiellen Luchsrissen setzt voraus, dass vom Luchs gerissene Beutetiere rechtzeitig gemeldet werden, so dass eine Fotofalle gestellt werden kann. Hierfür ist die Zusammenarbeit mit Interessierten in der lokalen Bevölkerung (v. a. Jäger, Förster, Naturschützer) notwendig.

Die opportunistische Methode bleibt grundsätzlich von zufälligen Gelegenheiten abhängig und ist damit kaum in der Lage alle Luchse in einem Gebiet zu erfassen. Sie kann aber für einzelne Luchse Abwanderungsdistanzen, räumliche Nutzung oder Reproduktion dokumentieren.

Seit 2008 werden auf diese Weise Fotofallen jeweils während des Sommerhalbjahres erprobt. Seit Mitte 2010 werden auch im unteren Bayerischen Wald (Raum Philippsreut - Neureichenau) sowie seit Mitte 2011 im Fichtelgebirge und im südlichen Oberpfälzer Wald eingesetzt. Die damit gewonnenen Daten können den systematischen Einsatz ergänzen sowie grundsätzliche Daten zum Vorkommen des Luchses auch außerhalb des Hauptuntersuchungsgebiets im Bayerischen Wald erheben.

Veränderungen

Die Ergebnisse der seit 2007 laufenden systematischen und opportunistischen Fotofalleneinsätze zeigen die Veränderungen in der Luchspopulation auf, die durch die Zu-/Ab-/Durchwanderung von Subadulten bzw. die Geburt und den Verlust von Tieren entstehen. Insbesondere wenn Luchsmännchen ihre Territorien verschieben (die Radiotelemetriedaten von 2003 belegen dies erstmals) oder neue Luchse einwandern und sich sesshaft machen, ist das auf den Verlust des vorherigen Territoriumbesitzers zurückzuführen.

Bisher sind über 1200 Fotos gelungen. Sie stammen von 141 Individuen. 75 dieser Tiere sind nachweislich zwischen 2007 und 2015 geboren worden. Die Anzahl der territorialen Luchse bleibt dabei mehr oder minder gleich: im Bayerischen Wald sind dies 10-15 Tiere, die sich jedoch auch teilweise im tschechischen Böhmerwald aufhalten. Der Verbleib der Mehrzahl der Luchse ist unbekannt; dabei handelt es sich meistens um subadulte Durchwanderer, die auf der Suche nach einem eigenen Revier die Territorien der erwachsenen Luchse eine Zeitlang durchstreifen und dabei von den Fotofallen erfasst werden.

Wohin diese subadulten Luchse abwandern, ob und wo sie sich sesshaft machen können und wie sie damit zur Ausbreitung der Luchspopulation in Bayern beitragen, bleibt die spannendste Frage für zukünftige Erhebungen. Je längerfristig und großräumiger der Fotofalleneinsatz dabei durchgeführt wird, desto besser lässt sich schließlich Alter, Geschlecht und Verbleib (territorial, abwandernd, Reviersuche) der Luchse aufklären.

Fotografierte Luchse

Die folgenden Bilder stellen eine Auswahl der bisher fotografierten Luchse dar.

  R1 - fotografiert am 29.12.2007 auf einem Wanderweg nordwestlich von Zwiesel. Seit 2008 nicht wieder erfasst.
  B1 - fotografiert zwischen April und August 2008 im Raum um Bodenmais. Hier an einem gerissenen Beutetier.
Seit 2009 nicht wieder erfasst.
  B2 - fotografiert im April 2009 im Zellertal. Bekannt seit Juli 2008. Seit April 2010 verschollen.
  B3, genannt Schlaks, ist zwischen Bad Kötzting und dem Arber unterwegs. Erstmals erfasst im Oktober 2009, zuletzt erfasst im Juni 2012, seitdem verschollen.
  B6, genannt Eremit, Ersterfassung 6.3.2008 bei Grafling und lange Zeit einziger nachgewiesener Luchs im vorderen Bayerischen Wald. 2014 erstmals von einem Jungtier begleitet und zu Eremitin umbenannt. Letztes Foto von November 2014.

  B12, genannt Patrik, ein 2007 von den Tschechen besenderter Luchs, der sein Revier zwischen Nyrsko und Kasperske Hory hatte.
Von Januar 2009 bis Januar 2010 regelmäßig zwischen Bayerisch-Eisenstein, Arber und Zellertal fotografiert. Zuletzt im Oktober 2010 auf bayerischer Seite erfasst; seitdem fast nur noch auf der tschechischen Seite des Bayerisch-Böhmischen Waldes unterwegs. Im März 2016 bei Philippsreut bei Verkehrsunfall umgekommen.
  B13, genannt Felis, ein Luchsweibchen, das seit Mai 2009 immer wieder im Gebiet zwischen Bayerisch-Eisenstein und Bodenmais erfasst wird. Auf diesem Foto vom Oktober 2009 sind ihre zwei Jungen mit dabei. Zuletzt im Juli 2013 fotografiert.
  B9, genannt Nimo, ein männlicher Luchs, der auf bayerischer und tschechischer Seite unterwegs ist und seit Mitte 2012 das Territorium von B3 übernommen hat. Zuletzt im November 2013 erfasst.
  L2 - ein ca. 8 Monate alter Jungluchs, aufgenommen am 23. Dezember 2008 im Lamer Winkel. Seitdem nicht wieder erfasst.
  B4 - aufgenommen im Oktober 2010 im Zellertal. Ein 2009 geborenes Jungtier von B2, die seit April 2010 in diesem Gebiet nicht mehr nachgewiesen werden konnte.
  R3 - fotografiert im Februar 2008 bei Rittsteig wie er sich vorsichtig seinem gerissenen Reh nähert.
  R12 - fotografiert im September 2010 mit ihrem Jungen im Bereich des Forstbetriebs Neureichenau. Zuletzt im September 2013 zusammen mit zwei Jungtieren erfasst.
  R10 - fotografiert im Juli 2010 im Bereich des Forstbetriebs Neureichenau. Seitdem nicht wieder erfasst.
  B20 - ein Luchs des Dreiländerecks Bayern-Tschechien-Oberösterreich. Ersterfassung im September 2011. Seit Oktober 2014 nicht mehr erfasst.
  B21 - mit ihrem Jungtier im September 2012. Sie ist die Nachfolgerin von B2 und wurde erstmals im Oktober 2011 im Lamer Winkel erfasst. Seit Dezember 2012 verschollen.

Jeder fotografierte Luchs erhält einen alphanumerischen Code, der sich aus dem Buchstaben für die Flankenseite sowie einer fortlaufenden Ziffer zusammensetzt.
Die Buchstaben stehen dabei für:
R = nur die rechte Flanke ist bekannt,
L = nur linke Flanke ist bekannt,
B = beide Flanken sind bekannt,
U = unidentifizierbares Tier, weil Bildqualität zu schlecht oder die Position des Tieres keine Identifikation des Fleckenmusters erlaubt.