Mit den tschechischen Kollegen im Grenzgebiet auf Luchssuche (Bildautor Alois Hofmann)
Internationaler Datenstandard
Die SCALP-Gruppe hat drei Kategorien für die Einteilung von Luchshinweisen eingeführt ...
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Luchsmonitoring

Das Monitoring einer Tierart beinhaltet sowohl eine möglichst genaue Bestandsaufnahme als auch das Aufzeigen von Populationstrends über längere Zeiträume hinweg.

Die FFH-Richtlinie der EU (92/43/EWG) verpflichtet Deutschland, den Luchsbestand regelmäßig (alle sechs Jahre) zu dokumentieren, d. h. einen Bericht über die Auswirkungen der im Rahmen der Richtlinie durchgeführten Maßnahmen bei der Europäischen Kommission vorzulegen. Zentraler Bestandteil der Berichtspflicht ist die Erfassung und Bewertung des Erhaltungszustandes der Populationen der Art.

Für das Luchsmonitoring in Bayern lassen sich daraus folgende Anforderungen ableiten:
methodisch saubere und hochwertige Ansätze zur Bestandserfassung
Garantie einer langfristigen, regelmäßigen und strukturierten Überwachung
     

Monitoring bisher

   
Das Luchsmonitoring in Bayern stützte sich bis 2007 überwiegend auf das Sammeln zufällig gefundener Hinweise. Dieses so genannte passive Monitoring ist zwar ein wichtiger Bestandteil eines Gesamtmonitorings, ist aber grundsätzlich fehlerbehaftet, da es abhängig ist von der Aufmerksamkeit, die die Bevölkerung dem Luchs entgegenbringt und von der Nachfrageintensität der Bearbeiter.

Eine weitere Schwierigkeit liegt bei der Einschätzung der Meldungen:
Je nach Art des Hinweises ist eine Überprüfung durch eine dritte Person nicht möglich.

Sichtbeobachtungen und Luchsrufe können nicht überprüft werden; hier lässt man sich bei der Interpretation des Hinweises allzu gerne von der subjektiv zugewiesenen Glaubwürdigkeit des Beobachters leiten.

Spur- bzw. Rissfunde dagegen können manchmal bzw. meist überprüft werden. Voraussetzung dafür ist aber eine gute Dokumentation (z.B. durch ausführliche Protokolle und Fotos).
  Ganz klar Luchs, denn Krallen sind trotz weichem Boden nicht zu sehen!? Leider falsch, der verantwortliche Mischlingshund gehört dem Fotografen.
Wird dieses tote Reh nicht genauer untersucht, geht es wahrscheinlich als Luchsriss in die Statistik ein.
   

Verbesserung des Monitorings

Um diese möglichen Fehler beim Monitoring zu minimieren wird seit 2008 verstärkte Aufmerksamkeit auf die standardisierte Erfassung und Dokumentation von Zufallshinweisen gelegt.

Zudem werden alle Daten nach einer einheitlichen Methode kategorisiert, den so genannten SCALP-Kriterien, die von einer alpenweiten Luchsexpertengruppe entwickelt wurden.

Die Zusammenführung der Daten erfolgt schließlich in einer bayernweiten Datenbank des Landesamts für Umwelt. Dazu mussten in einem ersten Schritt die unterschiedlichsten Datensätze integriert und kategorisiert werden, was erheblichen Arbeitsaufwand bedeutete. Der strengere Blick auf alle bisher gesammelten Daten führt zu einem detaillierteren Bild zur Verbreitung des Luchses in Bayern.

Aktive Monitoring-Methoden

Unter aktiven Monitoring-Methoden versteht man die systematische und regelmäßige Suche nach Hinweisen. In der Regel soll damit ein bestimmter Zweck erreicht werden, beispielsweise die An- oder Abwesenheit festzustellen oder die Dichte und Anzahl der Tiere zu ermitteln.

Systematisches Abspuren und Fotofallenmonitoring sind solche aktiven Methoden. Sie sind aufwändiger und damit meist nur auf verhältnismäßig kleiner Fläche möglich. Auf großer Fläche ist daher das Sammeln von Zufallshinweisen die finanziell einzig durchführbare Methode.

Durch den Vergleich der aktiv und passiv gesammelten Daten lässt sich schließlich ein recht genaues Bild zum Vorkommen und zur Bestandsentwicklung des Luchses in Bayern zeichnen.