Presseinfo

Presseinfo 1 - Projektdaten und -partner
Presseinfo 2 - Bayerisch-tschechisches TransLynx-Projekt
Presseinfo 3 - Umsetzung des Luchs-Managementplans
Presseinfo 4 - Projektarbeit und -hintergrund
Presseinfo 5 - Luchsökologie

 

Presseinfo 1 - Projektdaten und -partner  
Projektträger Regierung von Niederbayern,
Höhere Naturschutzbehörde
Projektlaufzeit 2013 - 2015
Projektfinanzierung Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit, Kofinanzierung durch EU-Mittel: Europäischer Fonds für regionale Entwicklung (EFRE), "Investition in Ihre Zukunft" im Rahmen des Ziel 3-Programms zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit Freistaat Bayern - Tschechische Republik 2007-2013

Projektleitung Dipl.-Biol. Sybille Wölfl (Bayern)
Projektpartner
- Bayerisches Landesamt für Umwelt
- Bund Naturschutz in Bayern e.V.
- Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V.
- Wildland-Stiftung Bayern des Bayerischen Jagdverbands
- World Wide Fund for Nature (WWF)
- Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald
- Alka Wildlife
- Tschechisches Landesamt für Natur und Landschaft (AOPK)
- Tschechisches Ministerium für Umweltschutz (MZP)

Mehr zum Luchs und zum Luchsprojekt unter www.luchs-bayern.de


 

Presseinfo 2 - Bayerisch-tschechisches TransLynx-Projekt  

Im Rahmen des bayerisch-tschechischen Kooperationsprojekts "TransLynx" werden die Artenschutzarbeiten im bayerischen Luchsschutz weitergeführt. Als Projektträger für das zweijährige Projekt fungiert die Höhere Naturschutzbehörde der Regierung von Niederbayern.

Der frühere Projektträger - die Trägergemeinschaft, bestehend aus Bund Naturschutz, Landesbund für Vogelschutz, Wildland-Stiftung Bayern und WWF - bleibt dem Luchsprojekt als Projektpartner weiter erhalten.

Mit den tschechischen Projektpartnern wird in dem von 2013 - 2015 laufenden Projekt werden die Artenschutzbemühungen erstmals großräumig und populationsübergreifend und in grenzüberschreitender Zusammenarbeit angegangen. Dies ist ein wichtiger Schritt hin zu dem notwendigen populationsbezogenen Luchs-Management.

Mehr zum Luchs und zum Luchsprojekt unter www.luchs-bayern.de

 

Presseinfo 3 - Umsetzung des Luchs-Managementplans  

Seit nun drei Jahrzehnten hat der Luchs im ostbayerischen Raum wieder eine Heimat gefunden. Auf 20 bis 40 Tiere wird der Bestand geschätzt. Doch aufgrund seiner Lebensweise gerät der Luchs manchmal in Konflikt mit den Nutzungsansprüchen verschiedener Interessensgruppen aus Jagd, Forst und Landwirtschaft. Daher steckt ein Managementplan die Rahmenbedingungen für den Umgang mit dieser Tierart ab.

Die Trägergemeinschaft aus Bund Naturschutz, Landesbund für Vogelschutz und der Wildland-Stiftung des Bayerischen Jagdverbandes haben den bayerischen Luchsmanagementplan in einem gemeinsamen Projekt umgesetzt.

Der Managementplan wurde im Frühjahr 2008 durch das Bayerische Umweltministerium veröffentlicht. Rund 20 Institutionen und Verbände wurden bei der Erarbeitung im Rahmen der so genannten Steuerungs- und Arbeitsgruppe "Wildtiermanagement/Große Beutegreifer" beteiligt, so dass dem Plan breite Unterstützung gewiss ist. Er bildete die Grundlage für das Umsetzungsprojekt und skizziert die Kernaufgaben, die zwischen 2010 und 2012 angegangen und weiterentwickelt worden sind.

Diese Kernaufgaben des bayernweit angelegten und vom Bayerischen Umweltministerium zu 90% geförderten Projekts waren:

• Gewährleistung eines aussagekräftigen Monitorings
• Betreuung des Netzwerks Große Beutegreifer
• Koordinierung des Ausgleichsfonds Große Beutegreifer
• Bereitstellung eines bayernweiten Ansprechpartners zum Thema Luchs
• Begleitende Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung

Die Leitung und Betreuung des Projekts übernahm die Biologin Sybille Wölfl, die schon seit vielen Jahren für den Luchs in Bayern tätig ist.

Das Wissen über Vorkommen, Verbreitung und Bestandstrend der Luchspopulation in Bayern bildet die Basis für den Umgang mit dieser Tierart. Die Hinweisdaten zum Luchs müssen daher strengen Qualitätskriterien genügen, um verlässliche Aussagen zum Status der Population zu ermöglichen. Die großflächige Sammlung der Daten erfolgt durch die Mitglieder des so genannten Netzwerks Große Beutegreifer. Sie stehen als regionale Ansprechpartner für die Meldung von Luchshinweisen zur Verfügung und stammen aus Kreisen von Jagd, Naturschutz, Forst- und Landwirtschaft.

Diese Interessensgruppen sind es auch, auf die die Öffentlichkeitsarbeit des Projekts vornehmlich gerichtet war. Zudem gab es Umweltbildungsangebote an den Einrichtungen der drei Naturschutzverbände, die zur Biologie und Ökologie des Luchses informieren werden. Unterstützt wurden diese Aktivitäten durch ein breites Informationsangebot im Internet (www.luchs-bayern.de).

Die Trägergemeinschaft aus Bund Naturschutz, Landesbund für Vogelschutz und Wildland-Stiftung betreut bereits den "Ausgleichsfonds Große Beutegreifer", der nachweislich von Luchs, Wolf und Bär verursachte Übergriffe auf Nutztiere entschädigt. Hierfür sind 30.000 Euro bereitgestellt, eine Summe, die den seit 1998 benötigten Betrag für den Luchs (5.500 Euro) bei weitem übersteigt.

Die drei Verbände stellten sich gemeinsam der Verantwortung für den Luchs in Bayern. Das Projekt hatte Beispielcharakter für eine konstruktive, interessenübergreifende Zusammenarbeit auch bei schwierigen und konfliktträchtigen Themenbereichen.

Mehr zum Luchs und zum Luchsprojekt unter www.luchs-bayern.de

 

Presseinfo 4 - Projektarbeit und -hintergrund  

Seit vielen Jahren hat sich der Luchs in den Hochlagen des Bayerischen Waldes etabliert und breitet sich nun mehr und mehr auch in Richtung Oberpfälzer Wald und Donau aus. Derzeit wird der Bestand zwischen Passau und Bayreuth auf 20 bis 30 erwachsene Tiere geschätzt. Vor allem außerhalb der Staatswaldbereiche sorgt die große Katze für Aufregung, denn ihre Rückkehr wird nicht von jedermann begrüßt.

Über ein Jahrhundert nicht mehr in Bayerns Wäldern zuhause, ist der Luchs heutzutage für viele ein unbeschriebenes Blatt. Auf der einen Seite werden deshalb die Schauermärchen aus alten Überlieferungen von der blutrünstigen und heimtückischen Bestie nur zu gerne geglaubt. Der Luchs wird verteufelt und als Sündenbock für die derzeit verzwickte Wald-Wild-Situation abgestempelt.

Auf der anderen Seite stilisieren viele Menschen aus dieser Unwissenheit heraus den Luchs hoch zu einem Gütezeiger für eine noch intakte Natur oder gar zum Retter des Waldes. Sie sehen in der Rückkehr des Luchses eine Art Wiedergutmachung an der Natur und erhoffen sich eine Lösung der Schalenwildproblematik.

Extremmeinungen also auf beiden Seiten, nach dem Motto "Nur das glauben, was man glauben will". Ein erfolgversprechender, interessensübergreifender Umgang mit dieser Tierart kann aber nur auf einem fundierten Wissen über ihre Ökologie und Lebensraumansprüche aufbauen.

Das Luchsprojekt Bayern hakt gerade hier mit seinen vier Projektzielen ein.
Es will ...
  1. den tatsächlichen Luchsbestand möglichst genau erfassen und eventuelle Populationstrends ermitteln;
  2. die Menschen vor Ort sachlich und fachlich fundiert informieren;
  3. die Akzeptanz und Toleranz gegenüber dieser Tierart auf der Grundlage von Fakten erhöhen;
  4. mit allen beteiligten Interessensgruppen ein akzeptiertes und langfristiges Miteinander von Mensch und Luchs erreichen.

Dabei leiten folgende Gedanken die tägliche Arbeit:

  • Schutzgebiete reichen in Mitteleuropa als Lebensgrundlage für den Luchs nicht aus. Wegen der hohen Raumansprüche des Luchses sind Großschutzgebiete allein für ein dauerhaftes Überleben einer Luchspopulation zu klein - der Luchs muss auch in der Kulturlandschaft leben dürfen.
  • Der Luchs ist kein Indikator für unberührte Wildnis. Das Vorkommen des Luchses in einer Region zeigt keine intakten Ökosysteme oder gar Wildnis an. Er kann vielmehr auch in unserer Kulturlandschaft gut überleben.
  • Der Luchs ist ein Indikator für Akzeptanz und Toleranz in unserer Gesellschaft. Eine ausreichende Akzeptanz und Toleranz des Menschen gegenüber großen Beutegreifern wie dem Luchs ist die Grundvoraussetzung für das Überleben der Art in Bayern und in Mitteleuropa.

Im Vergleich zu den Bedingungen während seiner Ausrottung vor gut 150 Jahren hat sich die Situation inzwischen zu seinen Gunsten gewandelt: Die Schaf- und Ziegenhaltung hat stark nachgelassen, die Tiere werden praktisch nicht mehr in Waldweide gehalten. Die Waldfläche Bayerns nimmt aufgrund der fortschreitenden Extensivierung der Landwirtschaft zu.

Die Einstellung gegenüber den großen Beutegreifern hat sich - ausgehend von der städtischen Bevölkerung - verändert: weg von dem Konkurrenzdenken hin zu einer Sicht der Fleischfresser als notwendiger Bestandteil im ökologischen Gesamtgefüge.

Jedoch sind einige Landnutzer nach wie vor sehr skeptisch. Der Luchs wird teilweise als Konkurrent angesehen, der die durch die forstlich geprägte Devise "Wald vor Wild" vielerorts schon reduzierten Rehwildbestände weiter dezimiert.

Eine Entschädigungsregelung bezüglich der nachweislich vom Luchs erbeuteten Nutztiere existiert seit Anfang 1998. Pro Jahr werden rund 375 € für Luchsübergriffe auf Schafe und Wild in landwirtschaftlicher Gehegehaltung ausgezahlt.

Auch wirkt im Bayerischen Wald die jüngere Geschichte als große Altlast nach: das nicht genehmigte Aussetzen von Luchsen Anfang der 70er Jahre, ohne Einbezug der Bevölkerung vor Ort, hat tiefes Mißtrauen gegenüber dem Arten- und Naturschutz entstehen lassen.

Derzeitige Problemfelder lassen sich vor allem auf den zwischenmenschlichen Bereich reduzieren: Unsachlichkeit sowohl auf Luchsbefürworter- als auch auf Luchsgegnerseite lassen Fronten entstehen, die meist emotional begründet und deshalb nur schwer aufzuweichen sind. Oft muß der Luchs als willkommener Sündenbock für tiefe Frustration herhalten, die sich auf Kommunikations-schwierigkeiten und Beratungsresistenz begründet.

Dringend notwendig ist eine Versachlichung der Diskussion. Nur so lässt sich wieder ein wechselseitiges Vertrauen aufbauen. Weder eine Verteufelung noch eine Verherrlichung bringen den Luchs weiter. Auf einer sachlichen und fachlich fundierten Basis kann aber ein ehrlicher, interessensübergreifender und langfristiger Umgang mit dem Luchs möglich sein. Genau hier setzt das Luchsprojekt Bayern an: detaillierte Feldforschung gepaart mit transparenter Öffentlichkeitsarbeit schafft die Grundlage für ein nachhaltig mögliches Miteinander der Ansprüche von Mensch und Luchs in Bayern.

Denn dem Luchs fehlt es in Bayern nicht an Lebensraum, er braucht vielmehr Akzeptanz, Toleranz und Offenheit von uns Menschen. Dies erreichen wir aber nur, wenn wir es schaffen, die Gräben innerhalb und zwischen den beteiligten Interessensgruppen zu schließen. Der Luchs also als einmalige Chance - für uns Menschen.

Mehr zum Luchs und zum Luchsprojekt unter www.luchs-bayern.de

 

Presseinfo 5 - Luchsökologie  

Der Luchs ist etwa schäferhundgroß und wiegt um die 20 Kilogramm. Erkennungsmerkmale sind die oft ausgeprägte rotbraune Fellzeichnung mit dunkler Fleckung, der schwarz abgesetzte Stummelschwanz und die Haarbüschel auf den Ohren.

Luchse sind Einzelgänger, ein erwachsenes Tier braucht im Durchschnitt ein rund 100 Quadratkilometer großes Revier. Dabei haben die Gebiete der Männchen eine Flächenausdehnung bis zu 400 km², in denen dann die Reviere eines oder mehrerer Weibchen miteingeschlossen sind.

Die Paarungszeit liegt im Spätwinter, die durchschnittlich zwei Jungen werden Mitte Mai bis Mitte Juni geboren. Die Jungtiere bleiben etwa 10 Monate bei der Mutter, müssen dann aber das angestammte Wohngebiet verlassen und sich ihre eigenen Reviere suchen. Die Jungensterblichkeit ist sehr hoch - von zehn Jungtieren überleben nur ein bis zwei die Zeit bis zur Selbständigkeit.

Der Luchs ernährt sich bei uns in Mitteleuropa hauptsächlich von rehgroßen Huftieren, also von Reh, Gämse und Mufflon. Als Pirsch- und Lauerjäger überrascht er seine Beute und springt sie aus kurzer Entfernung an, hetzt sie also nicht wie Hund und Wolf. Als weitere mögliche Beutetiere gelten Rotwild, Hase, Fuchs, Wildschwein, Marder, Katzen, Kleinnager und Waldhühner.

Der Luchs ist an deckungsreichen Lebensraum gebunden. Nur dort kann er sich nahe genug an seine Beute anschleichen und wird auch von uns Menschen weniger wahrgenommen. Er nutzt nicht nur große geschlossene Waldungen, sondern auch kleinstrukturierte Wald-Feld-Landschaften mit einer meist hohen Rehdichte. Die Chancen des Luchses in den Bayerischen Wäldern stehen - bezüglich des Lebensraumes - durchaus gut.

Mehr zum Luchs und zum Luchsprojekt unter www.luchs-bayern.de

Wie können Sie mithelfen?

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, wie Sie dem Luchs helfen können.
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