25. November 2009

Luchsprojekt unterstützt Fotofalleneinsatz des Nationalparks
mit Know-how

Auch der Nationalpark Bayerischer Wald setzt diesen Winter in Zusammenarbeit mit dem tschechischen Sumava-Nationalpark Fotofallen zur Erfassung des Luchsbestands im Grenzgebiet ein. Im letztjährigen Durchgang konnten im Park fünf erwachsene Luchse fotografiert werden.

Mindestens zwei davon (Patrik und L4) durchstreifen auch regelmäßig die umliegenden Gebiete rund um den Arber. Das ist kein Wunder, haben doch Luchse Streifgebiete von 100 bis 400 Quadratkilometern. Das Nationalparkgebiet wird daher immer nur ein Teillebensraum für eine Luchspopulation sein.

Der großräumige Ansatz entlang des bayerisch-tschechischen Grenzgebiets ist daher wichtig und notwendig, um den Luchsbestand und den Aktionsradius der dort lebenden Luchse in einem möglichst unbeeinflussten Raum zu erfassen.

Dabei sollen im südöstlichen Nationalparkvorfeld entlang des Grenzkamms bis Philippsreut Fotofallen gestellt werden. Da hier teilweise auch Privatjagdreviere betroffen sind, ist viel Gespür bei der Zusammenarbeit mit Revierpächtern gefragt. Das bisher gute Einvernehmen soll auch hier Fortbestand haben.



17. November 2009

Erste Zwischenbilanz des Fotofallen-Monitorings

Die Bildausbeute der ersten vier Wochen des Fotofalleneinsatzes ist erfreulich: acht Fotos von vier Luchsen.

Zwei dieser Luchse sind "altbekannte" Individuen, weil sie bereits vorher schon häufiger im inneren Bayerischen Wald fotografiert worden sind. Es handelt sich um "Patrik", ein Luchsmännchen, das von Angestellten des Sumava-Nationalpark 2007 besendert worden ist und das sein Revier offensichtlich nach Bayern hinein verschoben hat.

Das Luchsweibchen "L4" ist im Sommer 2009 und jetzt wieder durch unsere Fotofallen gelaufen. Präsentierte sie sich im Mai noch mit dickem Bauch, war sie im September deutlich schlanker und schickte zudem ihre Jungen an der Fotofalle vorbei. Und am 24. Oktober schließlich waren alle drei auf einem Bild.

Besonders spannend sind die zwei Fotos eines Luchses im vorderen Bayerischen Wald. Ob er identisch ist mit L1, einem Anfang 2008 mit der linken Flanke erfassten Tier, lässt sich noch nicht sagen, weil beide Bilder die rechte Flanke zeigen. Wir hoffen, er (oder sie) läuft noch einmal an unseren Fotofallen vorbei.

Und schließlich ist ein "Neuer" in die Fotofalle getappt. Wiederum im inneren Bayerischen Wald in der Nähe von Bad Kötzting. Ist das unser lang vermuteter Luchskuder, den es zwischen Bad Kötzting und Zwiesel eigentlich geben sollte? Vielleicht ist es aber auch ein Jungtier auf Abwanderung. Das knochige Aussehen dieses Luchses könnte darauf hindeuten.
Um solche Vermutungen zu bestätigen, sind weitere Fotos und Spurenfunde notwendig. Da der diesjährige Fotofalleneinsatz erst am Anfang steht und der Schnee noch kommen wird, stehen die Chancen ganz gut.



19. Oktober 2009

Fotofallen-Monitoring startet dieses Jahr früher

Im Auftrag des Bayerischen Landesamts für Umwelt wurden erneut Fotofallen zur Erfassung des Luchsbestands installiert. Zwischen Donau und bayerisch-tschechischem Grenzkamm stehen nun 78 der automatischen Kameras.

Das Untersuchungsgebiet erstreckt sich im inneren Bayerischen Wald zwischen Bad Kötzting und Zwiesel, im mittleren Bayerischen Wald zwischen Viechtach und Regen sowie im vorderen Bayerischen Wald zwischen St. Englmar und Lalling. Die Gesamtfläche beträgt damit rund 800 Quadratkilometer und umfasst einen Querschnitt durch die Kulturlandschaft des Bayerischen Waldes, die mit ihrem Mosaik aus Offenland und Waldlandschaft guten Lebensraum auch für den Luchs darstellt.

Die bisherigen Ergebnisse der letzten beiden Durchgänge waren vielversprechend (vgl. auch Fotofallenmonitoring), obgleich die Anzahl der bisher fotografierten Tiere nicht üppig erscheint. Drei Luchse im Winter 2007/2008, zwei Luchse im Winter 2008/2009 sowie ein Jungluchs während des Extensiveinsatzes 2008. Von diesen sechs Tieren konnten 2008/2009 nur noch zwei nachgewiesen werden, so dass jetzt mit Spannung erwartet wird, ob B1, L1, R1 und R2 "wiedergefangen" werden können oder ob sie vermisst bleiben.

Wo nichts ist, kann auch nichts fotografiert werden? Diese Frage stellt sich jedes Mal wieder. Aber natürlich kann es sein, dass der ein oder andere Luchs nicht durch die Fotofallen erfasst wird. Deshalb heißt es dranbleiben, weil nur längerfristiges Monitoring tatsächlich gesicherte Aussagen über den Status der Luchspopulation im Bayerischen Wald zulässt.



9. Oktober 2009

Dritter Angriff von wildernden Hunden bei Neuschönau

Die Neuschönauer Gegend kommt nicht zur Ruhe. Wieder ist ein Schaf getötet und mehrere verletzt worden. In ihrer Panik sind die Schafe ausgebrochen, haben den Eurozaun niedergerannt und sind in alle Richtungen geflüchtet.

Obwohl bei so einem Angriff gar nichts für Luchs als Verursacher spricht, wurde durch die Leiterin des Luchsprojekts, Sybille Wölfl, ein Sektionsantrag bei der TBA Plattling gestellt. Dies soll der besonderen Situation in Neuschönau Rechnung tragen, die durch den Vorgang bei Hohenau Anfang August (vgl. Meldung vom 21.8.) in der Neuschönauer Gegend hervorgerufen wurde.

Nun ist zu hoffen, dass die Polizei den oder die wildernden Hunde bald ausfindig machen kann, damit die Übergriffe aufhören. Im Interesse des Luchses und der betroffenen Nutztiere.



2. Oktober 2009

Erneut Schafe bei Neuschönau gerissen

In der Nacht vom 26. auf den 27.9. wurden vier Kamerunschafe (ein Muttertier und drei Jungtiere) in einer Koppel in Neuschönau getötet. Der Nutztierhalter ist zunächst davon ausgegangen, dass es ein Luchs gewesen sein könnte. Die Sektion an der TBA Plattling ergab, dass höchstwahrscheinlich Hunde die Verletzungen zugefügt haben. Die Tiere sind vermutlich an Schock und Blutverlusten gestorben.

Erst Anfang August wurden keine 2 km entfernt, bei Hohenau/Weidhütte, fünf Mufflons gerissen. Auch dort hieß es zunächst, dass es ein oder zwei Luchse gewesen seien. Doch die Sektion konnte den Luchs als Täter eindeutig ausschließen. Die Art der Verletzungen sprach auch hier für den Angriff von ein oder mehreren Hunden.

Dass in der Neuschönauer Gegend nun schon das zweite Mal Hunde am Werk waren, lässt nichts Gutes erahnen, da weitere Übergriffe nicht auszuschließen sind.



21. August 2009

Aufregung um scheinbar vom Luchs gerissene Schafe bei Hohenau

Die Schlagzeilen waren reißerisch: "Luchse reißen fünf Schafe" titelte die Passauer Neue Presse am 10. August, der Bayerische Rundfunk sprach gar vom in Bayern ersten Übergriff eines Luchses auf Nutztiere. Beide Presseorgane waren leider falsch informiert worden.

Etwas vorschnell wurde der Luchs als Verursacher der fünf toten Mufflon-Schafe ausgemacht. Ein äußerlich sichtbarer Kehlbiss, angefressenes Muskelfleisch, Pfotenabdrücke in der weichen Erde der Schafkoppel sowie verständlicherweise aufgebrachte Nutztierhalter verführten dazu, den Luchs bereits schuldig zu sprechen, obwohl die notwendige Sektion in der zuständigen Tierkörperbeseitigungsanstalt (TBA) in Plattling noch gar nicht durchgeführt war.

Diese Obduktion ergab, dass die Verletzungen viel zu massiv waren, um von einem oder (wie von Mitarbeitern der Nationalparkverwaltung vermutet) zwei Luchsen verursacht worden zu sein. Dreien der fünf Tiere war die Halswirbelsäule durchgebissen bzw. durch Schütteln gebrochen worden. Großflächige Unterhautblutungen und Muskelzerreißungen komplettierten das Bild und führten zu dem Schluss, dass der Angriff sehr wahrscheinlich durch Hunde erfolgte.
Der ansonsten stabile Gehegezaun wies einen 30 cm hohen und fast ebenso breiten Durchschlupf an jener Stelle auf, an der ein kleiner Bach in das Gehege hinein floß. Ein leichtes Spiel für jagdlustige Hunde.

Die von der Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald sofort zugesagte Entschädigungszahlung aus dem Luchsfonds gab es dann nicht, was zu großer Enttäuschung beim Gehegehalter führte.

Dies ist ein lehrreiches Beispiel dafür, dass erst alle Indizien zusammengeführt und dokumentiert werden sollten und dann eine darauf basierende Beurteilung erfolgen sollte. Angesichts der spannungsgeladenen Atmosphäre bei gerissenen Nutztieren sicherlich keine leichte Aufgabe, aber unbedingt erforderlich, will man in diesem Feld professionell arbeiten.

Der Luchsfonds, der für nachweislich vom Luchs verursachte Übergriffe auf Nutztiere aufkommt, wurde bereits 1997 gegründet und vom Bayerischen Jagdverband, dem Landesbund für Vogelschutz, dem Bund Naturschutz sowie dem Naturpark Bayerischer Wald e.V. mit rund 6000 Euro ausgestattet. Zwölf Jahre später sind noch rund 560 Euro in der Kasse.

Dies zeigt, dass das Konfliktpotential zwischen Luchs und Nutztieren gering ist, aber es dennoch hier und da zu Übergriffen von Luchsen auf Nutztiere kommt. Ist der Luchs als Verursacher nicht auszuschließen, gleicht der Luchsfonds den jeweiligen Wert des Tieres aus.



17. Juli 2009

Informationsveranstaltung für Jägerschaft zum Fotofallen-Monitoring

Am 17. Juli fand auf Wunsch der Bayerischen Jagdverbandes eine Informationsveranstaltung zum Fotofallen-Monitoring statt. Ziel der Veranstaltung war es, die Jägerschaft über die aktuellen Ergebnisse des zurückliegenden Fotofallen-Monitorings zu informieren und über die daraus gezogenen Schlussfolgerungen zum Luchsbestand im Bayerischen Wald zu berichten.



18. Juni 2009

Achte Ausgabe der Luchs-Nachrichten erschienen

Die aktuelle Ausgabe beleuchtet Methoden zur Bestandserfassung des Luchses und stellt die aktuellen Ergebnisse des diesjährigen systematischen Fotofalleneinsatzes vor, der nun bereits zum zweiten Mal im Auftrag des Landesamts für Umwelt  durchgeführt wurde.
Die Zusammenschau aller erhobenen Daten der letzten 1,5 Jahre wirft bereits ein interessantes Licht auf die Luchspopulation im Bayerischen Wald.

Wir berichten außerdem von den beiden anderen so genannten Großen Beutegreifern Wolf und Bär. Insbesondere zwei Jungwölfe aus der Lausitz machten kürzlich deutlich, welches Laufpotenzial in dieser Tierart steckt, so dass man sie wohl eher als "großräumige" Beutegreifer bezeichnen sollte.

Unter InfoMaterial steht die aktuelle Ausgabe Nr. 8 sowie alle vorherigen Ausgaben der Luchs-Nachrichten zum Herunterladen zur Verfügung.



20. Mai 2009

Ergebnisse des Fotofallenmonitorings veröffentlicht

Die Ergebnisse des diesjährigen Fotofalleneinsatzes sind unter Fotofallenmonitoring veröffentlicht. Ergänzend zu den Ergebnissen des ersten Durchgangs im Jahr 2007/2008 sind auch die im Sommer und Herbst 2008 entstandenen Luchsbilder zu sehen. Außerdem gibt es interessante Fotos unserer anderen heimischen Wildtiere.

Die neue Ausgabe der Luchs-Nachrichten wird ebenfalls über das zurückliegende Fotofallenmonitoring berichten und außerdem den Status der Luchspopulation in Bayern näher beleuchten. Voraussichtliches Erscheinungsdatum ist im Juni.



15. April 2009

Fotofallen-Monitoring beendet - alle Geräte sind eingeholt

Plangemäß sind alle 90 Fotofallen wieder abgebaut worden. Ein Kraftakt, der innerhalb von fünf Tagen durch nur zwei Personen durchgezogen werden konnte. Jetzt werden die Fotofallen noch einmal durchgecheckt und gesäubert. Fast alle haben den harten Winterbedingungen getrotzt.

Der enorme Schneefall von Anfang Februar bis Ende März hatte dazu geführt, dass die Fotofallen häufig eingeschneit waren. Schneeverwehungen wehten Objektiv und Bewegungsmelder zu und Schneefälle von über 1,20 Meter begruben innerhalb kürzester Zeit teilweise ganze Standorte unter sich. Da half nur ein noch häufigeres Kontrollieren der Standorte und ihrer Geräte. Danke an alle Revierpächter, die uns dabei geholfen haben.



28. Januar 2009

Fotofallen-Monitoring geht weiter

Seit Ende Januar stehen sie wieder: Diesmal sind es 90 Fotofallen, die an 45 Standorten im Bayerischen Wald zwischen Bad Kötzting, Regen und Deggendorf installiert sind. Das Gebiet, das damit auf Luchsanwesenheit und -bestand untersucht wird, umfasst eine Größe von rund 850 Quadratkilometern und ist damit doppelt so groß wie die beiden Teilgebiete, auf denen die Pilotstudie im Winter 2007/2008 lief.

Das Fotofallen-Monitoring wird vom Landesamt für Umwelt finanziert und durch den Landesjagdverband, vertreten durch die Wildland Stiftung, unterstützt. Auf das Einverständnis der Revierpächter wurde auch diesmal großer Wert gelegt. Die letztjährigen Ergebnisse fanden viel Interesse in der Jägerschaft, so dass wir uns auch dieses Jahr auf rege Unterstützung freuen können.

Für weitere Fragen zum Fotofallen-Monitoring stehen wir Ihnen unter info@luchsprojekt.de gerne zur Verfügung.



16. Januar 2009

Jahrestagung des AK Luchs Nordbayern in Friedenfels

Die Jahrestagung des Arbeitskreises Luchs Nordbayern fand erneut großen Zuspruch. Rund 200 Personen aus Jagd, Forst und Naturschutz trafen sich in Friedenfels, um sich über aktuelle Entwicklungen beim Luchs zu informieren.

Hier war vor allem das Fotofallen-Monitoring im Bayerischen Wald sowie der erste testweise Einsatz im Fichtelgebirge von Interesse. Sybille Wölfl, die den Vortrag zum Fotofallen-Monitoring hielt, stellte auch Pläne vor, wie man sich zukünftig den Fotofalleneinsatz im Fichtelgebirge vorstellen könnte.

Ein weiteres wichtiges Thema war diesmal die Wildkatze. Ein Kurzfilm von Manfred Trinzen und Ingrid Büttner führte in die Lebensweise der Wildkatze ein. Hubert Gebhard und Jürgen Thein stellten die Situation der Wildkatze im Spessart und im Fichtelgebirge näher dar.

Reges Interesse fand die Veranstaltung auch bei der Presse. So wird u.a. in der nächsten Ausgabe des Frankenmagazins über den Luchs berichtet.



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